Fragen zur Lage (FranzL) in Zeiten von Corona - Wie geht es den bayerischen Frühförderstellen?

10 Jahre nach den letzten „Fragen zur Lage (FranzL) 2010“ wollte die Arbeitsstelle Frühförderung Bayern in 2020 erneut eine Systemanalyse der Frühförderung in Bayern erstellen. Mit der schnellen Ausbreitung des Coronavirus in Bayern und dem notwendigen Lockdown wurde dieser Plan zwangsläufig abgeändert. Zu stark war /schien uns der plötzliche Eingriff in die Tätigkeiten der einzelnen Frühförderstellen einerseits und die gesamte bayerische Frühförderlandschaft andererseits.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat alle IFS vor große Schwierigkeiten gestellt: qualifizierte interdisziplinäre Arbeit musste weiterhin unter den aktuell notwendig gewordenen Vorgaben ermöglicht werden und die damit verbundenen beruflichen und persönlichen Verunsicherungen sowie alle nötigen Veränderungen bewältigt werden.

Das Team der Arbeitsstelle Frühförderung Bayern wollte diesen Prozess bestmöglich begleiten und so unterstützen, wie es ihrem Tätigkeitsfeld entspricht. Zu diesem Zweck haben wir uns dazu entschieden eine Online-Umfrage zu erstellen, um ein Bild von der Situation an den IFS in Zeiten von Corona zu erhalten. Die Umfrage wurde am 13. Mai 2020, als das bayerische Frühförderleben Stück für Stück wieder in Schwung kommen konnte, an alle Leitungen der IFS in Bayern verschickt. Eine Teilnahme an der Umfrage war bis einschließlich 29. Mai 2020 möglich.

Insgesamt wurde der Umfragelink per Email an 179 Leitungen bayerischer Frühförderstellen geschickt. Die Umfrage enthielt insgesamt 14 Fragen (darunter vier offene Fragen), deren Beantwortung insgesamt ca. 15 Minuten geschätzte Zeit benötigte. 78 Einrichtungsleitungen haben an der Umfrage teilgenommen (das entspricht einem Rücklauf von 41%). 67 Leitungen haben alle Fragen beantwortet; 11 Einrichtungsleitungen haben die Umfrage abgebrochen.

In der Umfrage haben wir Fragen zu folgenden Themenbereichen gestellt:

  • 1. Umgang/Erleben der Unsicherheit in Zeiten von Corona
  • 2. FFÖ-Arbeit vor Ort seit Corona
  • 3. Wirtschaftlicher Einfluss der Corona-Krise auf die IFS
  • 4. Bedeutung der Arbeit im Homeoffice
  • 5. Unterstützung durch die AFFBy

Ergebnisse der Online-Umfrage

Zu 1: Umgang/Erleben der Unsicherheit in Zeiten von Corona

Die Unsicherheit der Mitarbeiter*innen in den IFS wurde von den Einrichtungsleitungen zum Befragungszeitpunkt – wie nicht anders zu erwarten – als hoch (MW=7,1) eingeschätzt. Besonders herausfordernd wurden von den IFS-Leitungen v.a. Aufgaben der Leitungsfunktion, Organisatorisches sowie die konkrete Umsetzung der Frühförderarbeit mit den Kindern und Familien empfunden noch vor der schwierigen wirtschaftlichen Lage der IFS.

Zu 2: FFÖ-Arbeit vor Ort seit Corona

Seit Beginn der Corona-Krise konnten die IFS den Kontakt zu den von ihnen betreuten Familien über Email (77,3%), Videotelefonie (68,2%), Telefon (48%) und Messenger (47%) sowie darüber hinaus auf dem Postweg oder vereinzelt auch im persönlichen Kontakt (unter Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen) halten.

Die Umsetzung der Allgemeinverfügung und der Handreichung zum Infektionsschutz- und der Hygienemaßnahmen gelang überwiegend. Schwierigkeiten ergaben sich in diesem Zusammenhang v.a. im hohen zeitlichen Aufwand der Maßnahmen, organisatorischen Belangen sowie der Einhaltung der Maßnahmen in bestimmten Fällen (u.a. im Umgang mit sehr kleinen Kindern).

Seit Beginn der Corona-Krise wurde in den IFS vermehrt mit Online-Tools gearbeitet, darunter vornehmlich mit Videokonferenz- und Videotherapie-Software und Messengerdiensten.

Konzepte zur Frühförderarbeit in Zeiten von Corona wurden größtenteils von der Leitung (92,3%) und/oder dem Team/Untergruppen (66,2%) erarbeitet. Besonders positiv haben die befragten Leitungen in diesem Zusammenhang Zusammenhalt, Motivation, Kreativität und Flexibilität ihrer Teams hervorgehoben. Negativ wurden die ständig wechselnden Vorgaben, die hohe Zeitintensität des Austauschs untereinander sowie der Umgang mit Informationen empfunden.

88,9% der befragten Leitungen gaben an, dass seit Beginn der Corona-Krise ein Austausch innerhalb des FFÖ-Teams stattgefunden hat und zwar vorrangig persönlich (unter Einhaltung der Abstandsregel), telefonisch, per Mail und/oder über Videokonferenzen.

Ca. die Hälfte der IFS (51,6%) haben sich seit Beginn der Corona-Krise der IFS verstärkt mit externen Fachkräften (v.a. Kindergärten und Kinder- und Jugendärzten) ausgetauscht (telefonisch).

Zu 3: Wirtschaftlicher Einfluss der Corona-Krise auf die IFS

Bezüglich der wirtschaftlichen Lage der IFS hat sich ergeben, dass 63,1% der bayerischen IFS in der Corona-Krise Kurzarbeit angemeldet haben.

Zu 4: Bedeutung der Arbeit im Homeoffice

Analog zu anderen Branchen wurde auch in den bayerischen IFS während der Corona-Krise die Arbeit im Homeoffice ermöglicht, bzw. wahrgenommen (61%). Dabei wurden vornehmlich Tätigkeiten wie Elternberatung, Verfassen von Berichten, Erarbeiten von Spielvorschlägen für die Kinder/Familien sowie Dokumentation, Verwaltungsaufgaben und Videotherapien umgesetzt. 56% der befragten Leitungen gaben an, dass auch nach der Corona-Krise weiterhin die Möglichkeit zur Arbeit im Homeoffice bestehen bleiben soll; im Vergleich zum Zeitraum vor der Corona-Krise bedeutet das einen Anstieg um 4,8%.

Zu 5: Unterstützung durch die Arbeitsstelle Frühförderung Bayern (AFFBy)

Die Wünsche an die Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle bezogen sich situationsgebunden vor allem auf Informationsweitergabe, auf die Unterstützung bei der Umsetzung der diversen Handreichungen, auf die politische Vertretung der Frühförderung nach außen sowie auf die Durchführung der bestehenden Fortbildungsangebote in Form von Online-Seminaren.

An dieser Stelle möchten wir es nicht verpassen uns bei allen teilnehmenden Leitungen herzlich zu bedanken. Die Umfrageergebnisse haben bei allen Mitarbeiter*innen der AFFBy zu einer Fülle von Ideen und Fragen geführt, die wir teilweise bereits erfolgreich umsetzen konnten, bzw. die unsere weitere Planung maßgeblich beeinflussen.

Wir wissen, dass es zur Zeit in allen Bereichen für die Frühförderstellen sehr schwierig ist.

Und hoffen nun in erster Linie, dass die Frühförderung in Bayern bestmöglich unbeschadet durch diese Pandemie kommt!

Dr. phil. B. Mampe-Keller

Dr. phil. U. Wohlleben